Was hilft gegen Erkältungen und wie kannst du diesen vorbeugen?

Erkältungen treten vor allem im Winter auf und sind zwar nicht gefährlich, aber lästig. Heute schauen wir uns an, wie du Erkältungen vermeiden kannst und welche Möglichkeiten du hast, wenn du dir doch einmal eine eingefangen hast.

Auf einen Blick

  • Erkältungen sind selbstlimitierende Erkrankungen der oberen Atemwege, die mit Husten, Schnupfen und Halsschmerzen einhergehen
  • Händewaschen, die Einnahme von 10-15 mg Zink pro Tag, Probiotika und – zumindest bei Sportlern – Vitamin C haben einen präventiven Effekt
  • Bei einer Erkältung helfen 75 mg Zink pro Tag, abschwellende Nasensprays ggf. in Kombination mit Antihistaminika sowie bei Husten Honig zur Nacht
  • Bei Allgemeinsymptomen wie Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit gilt ein absolutes Sportverbot. Sind diese überstanden, ist ein langsamer Einstieg ins Training wieder möglich.

Prävention

Was kannst du nun tun, um gar nicht erst krank zu werden? Neben der Vermeidung von Stress und Schlafmangel, kannst du zuallererst beim Übertragungsweg ansetzen – den Händen. Regelmäßiges Händewaschen bzw. desinfizieren schneidet den Erregern nachweislich den Weg ab.

Zumindest bei Kindern konnte die Einnahme von 10-15 mg Zink pro Tag die Erkrankungshäufigkeit senken. Zu Erwachsenen gibt es zwar noch keine Studien, aber es gibt keine Gründe, die dagegensprechen, diese Daten auf Erwachsene zu übertragen.

Präventiv eingenommene Probiotika konnten nicht nur die Erkrankungshäufigkeit, sondern auch die Erkrankungsdauer reduzieren. Allerdings stammt diese Erkenntnis aus nicht so gut gemachten Studien, was das ganze etwas einschränkt.

Gurgeln mit Wasser konnte in einer einzigen Studie die Erkältungshäufigkeit reduzieren. Allerdings konnte dieses Ergebnis bisher nicht reproduziert werden. In einer weiteren Studie zeigt sich tendenziell sogar eine erhöhte Infektanfälligkeit, was aber auch zufallsbedingt sein kann. Ob du nun mit Wasser, Iodlösungen oder Tee gurgelst, macht keinen Unterschied.

Vitamin C kann dir helfen, wenn du viel Sport treibst. In mehreren kleineren Studien konnte ein positiver Effekt für Menschen, die großen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, nachgewiesen werden. Für die Allgemeinbevölkerung ist die regelmäßige Einnahme von Vitamin C aber nicht zu empfehlen. Gleiches gilt für sehr hohe Dosen.

Für Vitamin D konnte bisher trotz häufig positiver Medienberichterstattung keine präventive Wirkung in Hinsicht auf Erkältungen nachgewiesen werden. Ebenso zeigten Ginseng- oder Knoblauch-Präparate, homöopathische Mittel und Echinacea entweder nur nicht sicher zu deutende oder gar keine präventiven Effekte.

Auch wenn Sport im Allgemeinen eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat, gab es für dessen präventive Wirkung auf Erkältungen bisher nur vereinzelte Hinweise.

Therapie

Erkältung

Was aber tun, wenn es zu spät ist?

Die Industrie bietet eine ganze Menge an Erkältungsmedikamenten an, aber es gibt nur wenige, die empfehlenswert sind.

Antihistaminika, die aus der Therapie von Allergien bekannt sind, haben keinen Effekt bei Erkältungen. In Kombination mit abschwellenden Mitteln (beste Kombination), Schmerzmitteln oder beidem können sie aber zur symptomatischen Therapie empfohlen werden. Jedoch traten dafür als Nebenwirkung Mundtrockenheit und Schlaflosigkeit auf. Bei Kindern unter 5 Jahren blieb die Wirkung jedoch aus, daher ist bei diesen auch von der Anwendung abzuraten.

Abschwellende Nasensprays führten in Studien zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, wobei die Besserung so geringfügig ausfiel, dass deren klinische Relevanz in Frage zu stellen ist. Wenn du abschwellende Nasensprays benutzt, solltest du sie am besten nur zur Nacht benutzen, um den Schlaf zu fördern, und nicht länger als sieben Tage.

Ipratropiumbromid wird meistens in der COPD-Therapie genutzt, kann aber auch bei Erkältungen eingesetzt werden, um eine laufende Nase zu lindern. Dafür traten aber häufiger Nasenbluten sowie Nasen- und Mundtrockenheit auf.

Salben mit Menthol, Campher und Eukalyptusöl zum Auftragen auf Brust und Rücken (z.B. WICK VapoRub) konnten verglichen mit Placebo (Vaseline) Husten- und Schnupfensymptome nicht bessern. Lediglich der Schlaf konnte verbessert werden. Die positiven Effekte erkaufst du dir aber mit dem relativ häufigen Auftreten von Haut-, Nasen- und Augenreizung sowie Hautausschlag.

Paracetamol und Ibuprofen sind nur gegen Schmerzen und Fieber wirksam. Bei letzterem wirkt Ibuprofen besser als Paracetamol. Beide können auch Kindern gegeben werden.

Wie oben bereits erwähnt, werden Erkältungen durch Viren verursacht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Antibiotika nicht helfen. Sie helfen nicht nur nicht, sondern bringen auch noch die typischen Nebenwirkungen mit sich. Ich kann dir also von Antibiotika bei Erkältungen nur abraten.

Alternative Therapiemöglichkeiten

Neben der medikamentösen Therapie gibt es einige interessante Alternativen.

Honig und Tee

Bei hustenden Kindern über 12 Monaten bewirkten ½ – 2 Teelöffel Honig maximal 30 Minuten vorm Einschlafen in mehreren Studien eine Verbesserung des Nachtschlafes und der Hustensymptomatik. Jedoch hatten auch diese Studien einige methodische Schwächen. Bei Kindern unter 12 Monaten sollte aber kein Honig gegeben werden. Für Erwachsene existieren leider noch keine Daten, Honig ist aber einen Versuch wert, bevor du zu Medikamenten greifst.

Und auch bei der Therapie taucht Zink wieder auf. Bei Erwachsenen konnte die Einnahme von 75 mg/Tag Symptome mildern und die Erkältungsdauer um einen Tag reduzieren, wenn sie innerhalb der ersten 24 Stunden begonnen wurde. Gelegentlich trat jedoch Übelkeit auf. Die Anwendung bei Kindern ist nicht zu empfehlen und von der nasalen Anwendung ist aufgrund von Nebenwirkungen wie Stechen und Brennen in der Nase sowie Riechstörungen abzuraten.

Die Einnahme von Vitamin C zeigte keine Wirkung. Genauso konnte für Inhalationen, Echinacea, chinesische Heilkräutern und Ginseng kein sicherer Nutzen nachgewiesen werden.

Wann darf ich wieder Sport treiben?

Die große Frage, wenn sich Sportler erkälten ist, wann darf ich wieder Sport treiben? Grundsätzlich gilt bei Infektionen mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit ein absolutes Sportverbot. Bei leichteren Infekten wie einem Schnupfen ohne Allgemeinsymtome ist ein Training im regenerativem Bereich vertretbar. Wann du nach einer Infektion wieder Sport treiben darfst, ist schwierig zu verallgemeinern und hängt nicht nur von der Art der Infektion, sondern auch von deiner Sportart ab. Besonders in Mannschaftssportarten solltest du lieber einen Tag länger pausieren, um nicht deine Teamkameraden anzustecken. Ansonsten hilft die Halsregel: wenn die Symptome unterhalb des Halses liegen wie bei Fieber, Husten oder Gliederschmerzen, solltest du warten bis diese wieder weg sind. Bei Symptomen über dem Kehlkopf wie Schnupfen und Kopfschmerzen kannst du wenig intensive Einheiten durchführen. Allerdings ist auch hier in den ersten drei Tagen der Infektion Vorsicht geboten, da gewisse Symptome auch Vorboten einer ernsthafteren Erkrankung sein können. Intensive Trainingseinheiten solltest du erst wieder durchführen, wenn du 100%ig fit bist.

Quellen
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Hao, Q., Dong, B. R., Wu, T. (2015) Probiotics for preventing acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2. Art. No.: CD006895. DOI: 10.1002/14651858.CD006895.pub3

Lorenc, T. M., & Kernan, M. T. (2006). Lower respiratory infections and potential complications in athletes. Current sports medicine reports, 5(2), 80-86.

Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 92 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.