Stressfrakturen – Prävention und Therapie von Ermüdungsbrüchen

Stressfrakturen oder Ermüdungsbrüche machen bis zu 20% aller Sportverletzungen aus. Um lange Ausfallzeiten zu vermeiden, kommen der frühen Erkennung und vor allem der Prävention ein hoher Stellenwert zu.

Auf einen Blick

  • Ermüdungsbrüche entstehen, wenn der Knochen wiederholt geschädigt wird und er nicht die Zeit hat, die Schäden zu reparieren.
  • Neben bestimmten Sportarten und hohen Trainingsumfängen zählt die „female athlete triad“ zu den wichtigsten Risikofaktoren.
  • Präventiv und therapeutisch sind eine bedarfsdeckende Zufuhr von Vitamin D und Calcium sowie eine ausgeglichene Kalorienbilanz von Bedeutung.
  • Operationen sind nur bei einem hohen Risiko, dass der Knochen nicht richtig verheilt, angezeigt

Wie entstehen Knochenbrüche?

Neben den traumatischen Frakturen, also den Knochenbrüchen durch eine übermäßige Krafteinwirkung, kann ein vorgeschädigter Knochen auch bei normaler Belastung brechen. Das kann an einer zu geringen Knochendichte z.B. bei Ostomalazie liegen (Insuffiziensfrakturen) oder an Erkrankungen des Knochens wie z.B. Knochentumoren oder -metastasen (pathologische Frakturen). Des Weiteren können auch wiederholte, kleinere Verletzungen zu einem Bruch führen, wenn dem Knochen nicht genügend Zeit gegeben wird, die Schäden zu reparieren. Dabei mehren sich über die Zeit kleinere Mikrofrakturen, die letzten Endes in eine vollständige Fraktur münden. Das bezeichnet man als Stressfraktur.

Risikofaktoren für Ermüdungsbrüche

Stressfrakturen treten meistens ca. 2 Monate nach einer Belastungssteigerung auf. Besonders gefährdet sind Läufer, Basketball-, Tennis- und Squashspieler, (Ballett-)Tänzer und Sportler die Crossfit betreiben. Dabei gibt es mehrere äußere (extrinsische) und innere (intrinsische) Risikofaktoren. Zu den äußeren gehören neben der Sportart und den eben schon genannten Belastungssteigerungen auch der Bodenbelag und eine schlechte Fitness. Hohe Trainingsumfänge (mehr als 67 km/Woche bei trainierten Läufern oder mehr als 5 Stunden/Tag bei z.B. Tänzern) stellen ebenfalls ein Risiko dar. Zu den inneren Faktoren gehört das Geschlecht. Frauen sind häufiger betrofffen als Männer insbesondere, wenn eine „female athlete triad“ besteht.

Was ist die „female athlete triad“?

Die „female athlete triad“ beschreibt die Kombination aus ausbleibender Regelblutung (Amenorrhoe), einem zu geringen Körpergewicht (Anorexie) und einer reduzierte Knochendichte (Osteopenie). Der dabei vorliegende Östrogen- und Energiemangel behindert die Knochenneubildung und führt zu einem vorzeitigen Knochenmasseverlust. Zudem ist bei Mikrofrakuren die Heilung beeinträchtigt. Das gefährliche daran ist, dass der Verlust der Knochenmasse nicht umkehrbar ist. Bei Amenorrhoe gehen pro Jahr etwa 2-6% der Knochenmasse verloren, insgesamt bis zu 25%. Diese wird auch bei einem Anstieg des Östrogens nur in geringem Maße wiederaufgebaut. Und wer schon in jungen Jahren zu wenig Knochenmasse besitzt, leidet im Alter sehr wahrscheinlich an Osteoporose.

Prävention – Emüdungsbrüchen vorbeugen

Daher ist es besonders wichtig, optimale Bedingungen für den Knochen zu schaffen. Hier kann man zunächst bei der Ernährung ansetzen. Diese sollte ausreichend Eiweiß, Calcium und Vitamin D enthalten. Allerdings ist es schwierig über die Nahrung genug Vitamin D aufzunehmen und auch die Produktion über die Haut reicht meistens nicht aus. Daher sollte man besonders dann eine Substitution erwägen, wenn man sportlich sehr aktiv ist. Insgesamt sollte die Ernährung eine ausgeglichene Kalorienbilanz zum Ziel haben.

Außerdem sollten bei ausbleibender Regelblutung die Hormonspiegel (Östrogen) überprüft werden. Bei der Trainingsplanung sind ausreichende Regenerationszeiten zu berücksichtigen, um dem Knochen genug Zeit zur Erholung zu geben. Und auch biomechanische Abweichungen können Stressfrakturen begünstigen. Bei starken Fußdefomitäten (z.B. Hohl-, Spreiz- oder Senkfuß) und Beinachsenveränderungen (O-Beine oder X-Beine) kann eine Einlagenversorgung helfen.

Therapie von Stressfrakturen

Besteht trotz aller Vorkehrungen der Verdacht, dass eine Stressfraktur entstanden ist, sollte frühzeitig ein MRT durchgeführt werden. Dieses kann relativ zuverlässig auch Vorstufen von Stressfrakturen (Knochenmarködeme) darstellen. Je früher eine Stressfraktur erkannt wird, desto schneller sind auch wieder Alltagsaktivitäten und Sport möglich.

Therapeutisch erfolgt zunächst eine schmerzadaptierte Entlastung des betroffenen Knochens. Im Folgenden müssen eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D sowie eine adäquate Protein- und Kalorienzufuhr sichergestellt werden. Auch Vitamin K und Bor sollten bei der Ernährung berücksichtigt werden, da auch diese am Knochenstoffwechsel beteiligt sind. Wie bereits im Artikel zur Auswirkung von Schmerzmitteln auf die Knochenheilung beschrieben, sollten keine NSAR wie Ibuprofen eingesetzt werden. Paracetamol oder ggf. Metamizol (Novalgin) sind die bessere Wahl.

Nur wenn diese Therapiemaßnahmen nicht greifen oder ein hohes Risiko für Pseudarthrosen besteht, kommen weitere medikamentöse oder operative Optionen in Frage. Zu den möglichen Medikamenten wie z.B. Bisphosphonaten ist aber zu sagen, dass sie nicht für die Therapie der Stressfrakturen zugelassen sind und somit einen Off-Label-Use darstellen.

Zusammenfassung

Um Stressfrakturen erfolgreich vorzubeugen, sollte die Trainingsbelastung nur langsam gesteigert und Warnsignale wie die „female athlete triad“ beachtet werden. Weitere Maßnahmen, die auch in der Therapie von Bedeutung sind, umfassen die ausreichende Zufuhr von Calcium, Vitamin D und Eiweiß sowie eine ausgeglichene Kalorienbilanz. Bei ausbleibendem Therapieerfolg sollte der Arzt über weitere Maßnahmen entscheiden.

Quellen

Knechtle, B. (2002). Aktuelle Sportphysiologie: Leistung und Ernährung im Sport. Karger Medical and Scientific Publishers.

Miller, T. L., & Best, T. M. (2016). Taking a holistic approach to managing difficult stress fractures. Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 11(1), 98.

Moreira, C. A., & Bilezikian, J. P. (2016). Stress fractures: concepts and therapeutics. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, jc-2016.