Bone Bruise und Knochenmarködem – Wie wird behandelt?

Als Knochenmarködem bezeichnet man eine schmerzhafte Flüssigkeitsansammlung im Knochen. Insbesondere wenn dem eine Verletzung zugrunde liegt, spricht man auch von einem „Bone Bruise“ – frei übersetzt also einem blauen Fleck am Knochen. Hier erfährst du wie man diese Erkrankung behandelt.

Auf einen Blick

  • Grundsätzlich muss nicht jedes Knochenmarködem behandelt werden. Nur bei entsprechenden Beschwerden sollte man aktiv werden.
  • Neben Physiotherapie und Schmerzmitteln ist eine gute Mikronährstoffversorgung wichtig. Vitamin D spielt hier die wichtigste Rolle für den Knochenstoffwechsel.
  • Wenn trotz aller Therapiemaßnahmen keine Besserung eintritt, kann der Einsatz von Knochenresorptionshemmern wie Bisphosphonaten oder Denosumab erwogen werden. Diese sind jedoch nicht für die Therapie des Knochenmarködems zugelassen und stellen somit einen Off-Label-Use dar.

Muss jedes Knochenmarködem behandelt werden?

Knochenmarködeme können mit dem MRT diagnostiziert werden und äußern sich als Aufhellungen in bestimmten Sequenzen. Allerdings muss nicht jedes Ödem behandelt werden. Vor allem bei Sportlern zeigen sich Knochenmarködeme auch als Zufallsbefund. In einem solchen Fall besteht kein Handlungsbedarf. Gleiches gilt für Knochenmarködeme, die im Rahmen von Bandverletzungen des Sprunggelenks und des Knies auftreten.

Neben akuten Verletzungen kann das Knochenmarködem auch durch chronische Überbelastung entstehen. Wird dies nicht behandelt, kann sich evtl. eine Stressfraktur entwickeln. Auch eine veränderte Statik wie z.B. O- oder X-Beine können die Entstehung eines Knochenmarködems begünstigen.

Knochenmarködem OSG
Hier ist ein Knochenmarködem in der distalen Tibia zu sehen, wie es z.B. nach einer Verletzung des Sprunggelenkes auftreten kann.

Wie sieht die Therapie bei einem Knochenmarködem aus?

Neben der Teilbelastung oder Entlastung und der Gabe von Schmerzmitteln hat die Physiotherapie vor allem bei Sportlern einen hohen Stellenwert. Die konservative Therapie beinhaltet die Optimierung des Knochenstoffwechsels und die Gabe spezieller Medikamente. Darüber hinaus gibt es auch chirurgische Therapieansätze, auf die wir hier aber nicht näher eingehen.

Analgesie (Schmerztherapie)

Die Verordnung gängiger Schmerzmittel (NSAR) insbesondere Ibuprofen oder Diclofenac ist bei Knochenerkrankungen zunehmend umstritten. In mehreren Studien wurde eine verzögerte Knochenheilung nachgewiesen. Wenn mit Alternativen wie z.B. Paracetamol oder Metamizol (Novaminsulfon) eine ausreichende Analgesie erreicht werden kann, sind diese anderen NSAR vorzuziehen.

Mikronährstoffe

Für den Knochenstoffwechsel ist eine optimale Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen sicherzustellen. Der wohl bekannteste Vertreter ist das Vitamin D. Hier sind hochnormale Blutwerte das Ziel. Die Ernährung mit den typischen Vitamin D-Quellen wie fettreichem Seefisch und Milchprodukten reicht dafür aber nicht aus. Gleiches gilt in unseren Breitengraden für die Produktion über die Haut. Daher sollte Vitamin D substituiert werden, bis ein Blutspiegel von über 40 ng/ml erreicht ist. Eine ausreichende Calciumzufuhr ist wichtig, sollte aber durch die durchschnittliche Ernährung sichergestellt sein.

Zwei eher unbekannte Vertreter aus der Reihe der Mikronährstoffe sind das Vitamin K1 und Bor. Ersteres ist an der Mineralisierung des Knochens beteiligt und kommt in grünen Gemüsearten sowie Hühner- und Rindfleisch vor. Bor vermindert nicht nur die Ausscheidung von Calcium, Magnesium, Phosphor und Vitamin D, sondern erhöht auch den 17-β-Östradiol-Spiegel und spielt eine Rolle in der Steroidhormonsynthese. Bor ist in Rosinen, Rotwein, Pflaumen, Nüssen und Avocados enthalten.

Knochenresorptionshemmer – die letzte Hoffnung?

Bei ausbleibendem Erfolg können weitere Medikamente in Erwägung gezogen werden. Bisphosphonate sind eigentlich für die Therapie der Osteoporose und von Knochenmetastasen vorgesehen und auch zugelassen. In einer Fallserie zum Einsatz von Ibandronat, einem Bisphosphonat, bei 25 Sportlern mit Knochenmarködem berichteten 64% der Patienten innerhalb der ersten zwei Wochen von einer Schmerzreduktion. Eine erste kleine Fallserie mit 14 Probanden zum Einsatz von Denosumab – einem Antikörper, der in den Knochenstoffwechsel eingreift – beim Knochenmarködemsyndrom zeigte ebenfalls eine gute Wirksamkeit. Trotzdem fehlen hochwertige Studien zum Einsatz von Bisphosphonaten und Denosumab insbesondere bei Sportlern, sodass es für Empfehlungen noch zu früh ist.

Für alle Knochresorptionshemmer gilt aber, dass sie nicht für die Therapie des Knochenmarködems zugelassen sind und damit einen Off-Label-Use darstellen. Darüber müssen die Patienten aufgeklärt werden.

Prognose

Die Zeit bis zur Ausheilung hängt von dem Ausmaß des Traumas und des Ödems ab und liegt zwischen 3 Wochen und 2 Jahren. Auch bestimmte Lokalisation wie das Knochenmarködem am Schambein, bekannt als Schambeinentzündung, sind mit längeren Ausfallzeiten assoziiert und bedürfen einer spezifischen Therapie.

Zusammenfassung

Das Knochenmarködem erfordert eine rasche Diagnostik und Therapie, die sich je nach Ursache unterscheidet. Der Bone Bruise im Rahmen von Bandverletzung erfordert meist keine spezifische Therapie. Bei anderen Formen kann neben Entlastung, Physiotherapie, Analgesie sowie einer Optimierung des Knochenstoffwechsels auch der Einsatz von Knochenresportionshemmern erwogen werden.

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