Nur drei Wochen Ruhigstellung bei Weber B-Fraktur?

Weber B Fraktur

Die bisherige Standardtherapie bei der konservativen Therapie einer Weber B-Fraktur ist die sechswöchige Ruhigstellung im Gips. Eine Studie aus Finnland hinterfragte nun diese Praxis und kam zu dem Ergebnis, dass auch eine dreiwöchige Ruhigstellung in einer Orthese ausreichend sei.

Auf einen Blick

  • Die Studie verglich die Ruhigstellung im Cast für 6 Wochen mit der Ruhigstellung im Cast oder einer Orthese für 3 Wochen bei stabilen Weber B-Frakturen.
  • Die kürzen Ruhigstellungszeit waren in Hinsicht auf die Funktion der sechswöchigen Ruhigstellung nicht unterlegen.
  • Die Autoren empfehlen nach Prüfung der Stabilität durch Außenrotationstest die Ruhigstellung auf 3 Wochen zu beschränken. Hierdurch traten zudem weniger Thrombosen auf und die Compliance war besser.


Stabile Frakturen des Außenknöchels werden in der Regel konservativ mit einer Gipsruhigstellung über sechs Wochen behandelt. Unter dieser Therapie zeigen sich gute Ergebnisse, es treten jedoch auch Komplikationen wie eine eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk und Thrombosen auf. Um einerseits Komplikationsraten zu senken und andrerseits einen frühen mechanischen Stimulus für eine verbesserte Frakturheilung zu setzen, wurde nun eine Studie in Finnland durchgeführt.

Studiendesign und Ergebnisse

247 Erwachsene (>16 Jahre) mit einer stabilen Weber B-Fraktur wurden in die Studie aufgenommen. Die Stabilität wurde durch einen Außenrotations-Stresstest überprüft. Dabei bringt der Untersucher unter Durchleuchtung den Fuß des Patienten in neutrale Dorsalextension und drückt ihn dann mit etwa 3,5-4,5 kg Druck in eine Außenrotation. Wenn der mediale Gelenkspalt im Bereich der Talusschulter schmaler als 5 mm ist, gilt die Fraktur als stabil.

Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Unterschenkel-Cast für 6 Wochen
  2. Unterschenkel-Cast für 3 Wochen
  3. Orthese für 3 Wochen

Der Olerud-Molander Ankle Score (OMAS) zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den 3 Gruppen bei den Folgeuntersuchungen nach 6 und 52 Wochen. Der einzige signifikante Unterschied war ein um 7,2 OMAS-Punkte höherer Werte in der 3 Wochen Cast Gruppe gegenüber der mit 6 Wochen Cast nach 12 Wochen. Bei den sekundären Outcomes war der einzige signifikante Unterschied eine etwas bessere Plantarflexion nach 52 Wochen nach Behandlung mit Orthese für 3 Wochen gegenüber Cast für 6 Wochen.

Bei zwei Probanden in der Gruppe mit Cast für 3 Wochen traten Pseudarthrosen auf.  Einer von beiden wurde schließlich operiert, der andere war beschwerdefrei. Die Autoren wanden jedoch ein, dass es sich hierbei am ehesten um einen Zufall handelt. Sollte dies durch eine insuffiziente Ruhigstellung verursacht worden sein, wären eher hypertrophe und nicht wie in diesen Fällen atrophe Pseudarthrosen zu erwarten gewesen.

Eine tiefe Beinvenenthrombose zeigte sich bei 8 Patienten, davon 5 bei 6-wöchiger Cast-Ruhigstellung und 3 bei 3-wöchiger Cast-Ruhigstellung.

Funktionelle Nachbehandlung nicht neu

Grundsätzlich ist das funktionelle Nachbehandlungskonzept bei stabilen Weber B-Frakturen nicht neu. Schon Ende des letzten Jahrtausends gab es Veröffentlichungen aus Deutschland zu diesem Thema. Hier wurde bei kongruentem Gelenk und einer Dislokation von weniger als 2 mm die Stabilität unter dem Bildwandler kontrolliert. Als zusätzliches Zeichen für die Gelenkstabilität wurde der erhaltene aktive Zehenspitzenstand angesehen.

Zur Behandlung einer stabilen Fraktur kam in den ersten 2-3 Tagen ein Kompressionsverband zum Einsatz, auf den eine Sprunggelenksorthese wie z.B. die Aircast®-Schiene folgte. Die schmerzadaptierte Vollbelastung war vom ersten Tag an erlaubt. Röntgenkontrolle wurden nach 7 und 14 Tagen sowie nach 6 Wochen durchgeführt. Die Ergebnisse waren auch hier bei konservativ-funktioneller Behandlung gut bis sehr gut.

Was sagt die Leitlinie?

Und auch die Leitlinie sagt, dass nicht dislozierte, stabile Weber B-Frakturen konservativ behandelt werden können. Dies kann mit Teilbelastung oder schmerzadaptierte funktioneller Belastung erfolgen. Die Ruhigstellung erfolgt hier in der Regel für 6 Wochen.

Zusammenfassung

Weber B-Frakturen mit nur geringer Dislokation und nachgewiesener Stabilität der Gelenkgabel können konservativ-funktionell behandelt werden. In diesem Fall ist die schmerzadaptierte Vollbelastung in einem Gehgips oder einer Orthese wie der Aircast®-Schiene möglich. Eine dreiwöchige Ruhigstellung scheint hierbei ausreichend, Langzeitergebnisse liegen allerdings noch nicht vor.

Quellen

Kortekangas, T., Haapasalo, H., Flinkkilä, T., Ohtonen, P., Nortunen, S., Laine, H. J., … & Pakarinen, H. (2019). Three week versus six week immobilisation for stable Weber B type ankle fractures: randomised, multicentre, non-inferiority clinical trial. bmj, 364, k5432.

Oberhofer, E. Stabile Weber-B-Fraktur: Nur noch drei Wochen immobilisieren?. Im Internet: https://www.springermedizin.de/sprunggelenkfrakturen/orthesen/stabile-weber-b-fraktur–nur-noch-drei-wochen-immobilisieren-/16440966 Stand: 18.02.2019

Richter, J., Schulze, W., & Muhr, G. (1999). Stabile Knöchelbrüche. Indikation zur Operation oder konservativen Therapie?. Der Orthopäde, 28(6), 493-499.

Schmidmaier G, Ferbert T, Meenen NM. et al. S2-Leitlinie Sprunggelenkfraktur. Im Internet: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-003l_S2e_Sprunggelenkfraktur_2016-02.pdf Stand: 18.02.2019

 

Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 41 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.