Axiale Spondylarthritis – Sport statt Schmerzmittel

Axiale Spondylarthritis

Entzündliche Erkrankungen wie eine axiale Spondylarthritis (auch als Morbus Bechterew bekannt) können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Sie werden meistens mit antientzündlichen Medikamenten und Physiotherapie behandelt. Doch welchen Stellenwert hat Sport?

Eine Studie untersuchte die Auswirkungen von hochintensivem Ausdauer- und Krafttraining. Dies wurde in der Interventionsgruppe zwei Mal wöchentlich unter Aufsicht durchgeführt, dazu kam ein einmal wöchentliches Training zu Hause. Insgesamt standen also drei Trainingseinheiten in der Woche auf dem Plan. Nach 12 Wochen wurden anhand der ASDAS- und BASDAI-Scores Informationen über Schmerzen und Steifigkeit erhoben. Zusätzlich waren die Körperfunktion, kardiorespiratorische Fitness, Muskelmasse, Körpergewicht von Interesse und man bestimmte die Entzündungswerte im Blut.

Schmerzen und Steifigkeit verbesserten sich in der Interventionsgruppe um etwa 25% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Auch die Fitness – gemessen als VO2max –konnte im Vergleich um 8% gesteigert werden.

Sport schadet nicht

Intensives Training verschlechtert eine Erkrankung wie die axiale Spondylarthritis also nicht, sondern sollte therapeutisch eingesetzt werden. Die Krankheitsaktivität konnte durch das Training schließlich deutlich reduziert werden. Ganz nebenbei schützt das Training zudem vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Autoren schreiben, dass der Effekt dieser Intervention ähnlich groß ist wie der von TNF-Inhibitoren. Letztere sind aber deutlich teurer. Dadurch dass sich die Schmerzen der Patienten deutlich gebessert haben, ist es denkbar, dass ein solches Training langfristig Schmerzmedikamente ersetzen kann.

Diese Studie ist besonders interessant, da sich Patienten mit entzündlichen Gelenkerkrankungen im Durchschnitt ohnehin schon weniger bewegen. Mit den Ergebnissen dieser Studie im Rücken sollte also noch energischer auf genügende sportliche Aktivität bei Erkrankungen wie der axialen Spondylarthritis, Arthrose oder anderen rheumatologischen Erkrankungen hingewirkt werden. Um Patienten mehr Bewegung zu ermöglichen kann auch kurzzeitig die Therapie mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln oder wenn nötig Opioiden sinnvoll sein.

Quellen

Sveaas, S. H., Bilberg, A., Berg, I. J., Provan, S. A., Rollefstad, S., Semb, A. G., … & Dagfinrud, H. (2019). High intensity exercise for 3 months reduces disease activity in axial spondyloarthritis (axSpA): a multicentre randomised trial of 100 patients. British journal of sports medicine, bjsports-2018.

https://www.springermedizin.de/eular-2019/arthrosen/sport-kann-langfristig-analgetika-ersetzen/16849704

Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 68 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.