Welche Schmerzmittel wirken am besten bei Arthrose?

Schmerzmittel bei Arthrose

Arthrose ist eine weit verbreitete Gelenkerkrankung und wird angesichts der alternden Bevölkerung in der Zukunft weiter zunehmen. Daher stellt sich die Frage, wie man betroffenen Patienten am besten hilft. Ein ganz zentrales Standbein ist dabei die Schmerztherapie. Durch Schmerzmittel wird eine ausreichende Bewegung häufig erst ermöglicht. Doch welche Schmerzmittel helfen am besten? Dem Thema hat sich eine Übersichtsarbeit angenommen.

Paracetamol wirkt bei Arthrose

Eine Studie aus 2015 sagte, dass Paracetamol nicht besser als Placebo wirkt. Zudem ist diese Substanz wegen der leberschädigenden Nebenwirkungen in Verruf geraten. In einer weiteren Meta-Analyse aus 2017 kam die Effektstärke von Paracetamol nicht in den klinisch relevanten Bereich. Bei Patienten ohne Vorerkrankungen sollte es trotzdem zum Einsatz kommen, sagt die Osteoarthritis Research Society International (OARSI). In den hier analysierten Studien nahmen die Schmerzen um 32,5% ab. Zwar ist das Sicherheitsprofil von Paracetamol (Nebenwirkungen etc.) nicht so gut wie ursprünglich vermutet, es hat aber weiterhin seinen Stellenwert in der Schmerztherapie.

NSAR häufig erste Wahl, besonders als Salbe gut wirksam

NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) werden häufig bei schon etwas stärkeren Schmerzen eingesetzt. In dieser Studie nahmen die Schmerzen im Durchschnitt um 34,3% ab. Damit wären sie etwas besser wirksam als Paracetamol. Andere Studien legen nahe, dass Diclofenac hier die wirksamste Wahl ist. Aber auch hier muss man die Nebenwirkungen beachten.

Eine kleine Überraschung waren wirkstoffhaltige Salben wie z.B. Voltarensalbe. Lokale NSAR erreichten mit 40,3% Schmerzreduktion bei Knie- und Handarthrose sogar noch bessere Werte als alle anderen Schmerzmittel.

COX-2-Hemmer wie Celecoxib und Meloxicam konnten den Schmerz um 36,9% mindern.

Opioide wirken bei Arthrose nicht wesentlich besser als NSAR

Opioide sind starken Schmerzen vorbehalten, die durch andere Verfahren nicht in den Griff zu bekommen sind. Auch wenn die Schmerzen zu Therapiebeginn bei Opioiden in den Studien nicht höher waren, als bei anderen Medikamenten, reduzierten Substanzen wie Tramadol und Oxycodon die Schmerzen durchschnittlich um 35,4%.

Eine Studie aus 2016 zeigte das NSAR und niedrig potente Opioide Schmerzen bei Arthrose um 18 Punkte auf einer Skala von 0-100 reduzieren. Hochpotente Opioide schafften dort 19 Punkte. Auch wenn in dieser Meta-Analyse nicht auf die Wirkung über den Placeboeffekt hinaus eingegangen wird, ist es interessant zu sehen, wie gering der Unterschied zwischen einigen Medikamentengruppen doch ist. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass lokale NSAR wie Voltarensalbe eine signifikant bessere Schmerzreduktion erreichen können als Opioide (sowohl relativ als auch absolut).

Fazit

Die Wirksamkeit von NSAR – besonders auch in Salbenform – und Paracetamol sollten nicht unterschätzt werden. Was man aber auch im Hinterkopf behalten muss, ist, dass der Schmerz bei Arthrose ohnehin schwankt. Die Verbesserungen in den Studien können auch auf diesen natürlichen Verlauf zurückzuführen sein. Zudem gab es nur in wenigen der analysierten Studien einen direkten Vergleich unterschiedlicher Schmerzmittel. Aussagen zu Über- oder Unterlegenheit sind daher kritisch zu sehen.

Quellen

Stewart, M., Cibere, J., Sayre, E. C., & Kopec, J. A. (2018). Efficacy of commonly prescribed analgesics in the management of osteoarthritis: A systematic review and meta-analysis. Rheumatology international, 38(11), 1985-1997.

Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 86 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.