PRP und ACP – Wundermittel der Sportmedizin?

PRP und ACP - neuer Trend in der Sportmedizin

Platelet rich plasma (PRP) bzw. autologes konditioniertes Plasma (ACP) erfreut sich insbesondere in der Sportmedizin immer größerer Beliebtheit. Es gibt viele Erkrankungen, bei denen Injektionen mit diesen Präparaten bereits angewandt werden, die Studienlage lässt häufig allerdings zu wünschen übrig. Einige Indikationen sind aber auch schon gut erforscht.

Auf einen Blick

  • Zur Herstellung von PRP bzw. ACP wird dem Patienten Blut abgenommen, zentrifugiert und der Teil wieder injiziert, der reich an Blutplättchen ist.
  • Die Blutplättchen setzen verschiedene Wachstumsfaktoren frei, welche Heilung und Regeneration des Gewebes beschleunigen sollen.
  • Gute Studienergebnisse gibt es schon für die Arthrose am Kniegelenk, den Tennisellenbogen und die Patellarsehnentendinopathie.
  • Bei Achillessehnentendinopathien, Kreuzbandoperationen, Rotatorenmanschettenrupturen und Knochenbrüchen können die Studien noch nicht überzeugen.


Platelet rich plasma (PRP) oder autologes konditioniertes Plasma (ACP) kann sowohl in der konservativen Therapie als auch ergänzend zu einer Operation zum Einsatz kommen. Hinter den beiden Begriffen stecken eigentlich die gleichen Produkte, je nach Hersteller wird es nur unterschiedlich bezeichnet. Um es herzustellen, wird dem Patienten Blut abgenommen und zentrifugiert. Dadurch bilden sich mehrere Schichten. Unten sitzen die Erythrozyten, die roten Blutkörperchen. Darüber ist eine dünne Schicht mit den Leukozyten, den weißen Blutkörperchen, die vor allem für die Immunabwehr wichtig sind. Oben steht das Plasma, welches auch die Thrombozyten, also die Blutplättchen enthält. Der obere Teil mit oder ohne die Leukozyten (dazu später mehr) wird abgezogen, wodurch der Erythrozytenanteil auf unter 5% sinkt. Dafür steigt der Thrombozytenanteil um das 4-5fache im Vergleich zum Vollblut.

Durch das Zentrifugieren des Blutes setzen sich die roten Blutkörperchen unten ab und man kann den Überstand weiterverwenden. Dieser ist reich an Thrombozyten, welche entscheidend für die Wirkung von PRP sind.

Hohe Thrombozytenkonzentration ist wichtig

Therapeutisch ist in erster Linie die höhere Konzentration an Thrombozyten. Diese setzen Wachstumsfaktoren frei, die Heilungsprozesse fördern sollen. Dabei handelt es sich vor allem um PDGF (Platelet derived growth factor), VEGF-A (vascular endothelial growth factor), IGF-1 (insulin like growth factor), TGF-β (transforming growth factor beta) und FGF (fibroblast growth factor).

Man unterscheidet auch zwischen leukozyten-reichem und leukozyten-armem PRP. Die Rolle der Leukozyten ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt auch leider noch keine Studien die die Anwendung von leukozyten-reichem und leukozyten-armem PRP bei bestimmten Indikationen vergleichen. Laborstudien haben aber gezeigt, dass leukozyten-reiches PRP aber eher katabole und entzündungsfördernde Effekte hatte. Leukozyten-armes PRP förderte den Aufbau von Kollagen und Aktin und wirkte somit eher anabol. Ähnliches fand man in Tierstudien. Dort löste das leukozyten-reiche PRP eine größere Entzündungsreaktion aus. Bei chronischen Tendinopathien waren die histologischen Ergebnisse mit leukozyten-armem PRP besser. Theoretisch ist es daher sinnvoll, leukozyten-reiches PRP bei akuten Verletzungen und leukozyten-armes PRP bei chronischen Problematiken und Verletzungen nach Abklingen der Akutphase einzusetzen.

Patellar- und Achillessehnentendinopathien

In der Praxis kommt PRP unter anderem bei Entzündungen der Patellar- und Achillessehne zum Einsatz. Ein Review fand 17 Studien, die sich mit der Wirkung bei Patellarsehnentendinopathien beschäftigten, allerdings waren nur 4 davon randomisiert und kontrolliert. Diese 4 Studien konnten eine Überlegenheit von PRP gegenüber Stoßwellentherapie und Dry Needling zeigen. Ob eine oder zwei Injektionen besser sind, war nicht sicher festzustellen.

Schlechter sind die Ergebnisse bei Tendinopathien der Achillessehne. Während Fallserien insgesamt gute Ergebnisse berichteten, konnte in den wenigen randomisierten, kontrollierten Studien keine bessere Wirksamkeit als bei der Injektion von Kochsalzlösung oder anderen konservativen Behandlungsmaßnahmen wie exzentrischem Training nachgewiesen werden.

Kreuzbandoperationen

Ein Beispiel für die perioperative Anwendung ist die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes. Durch die Anwendung von PRP erhofft man sich eine schnellere Einheilung des Implantates. Dadurch sollen die gefürchteten Rerupturen vermieden werden. Bisherige Studien konnten die Wirksamkeit hierfür allerdings nicht belegen. Vor allem im angloamerikanischen Raum wird das Kreuzband mit einem Stück Patellarsehne rekonstruiert. Wenn an der Entnahmestelle PRP angewandt wurde, war eine schnellere Heilung zu beobachten und es traten weniger Schmerzen auf.

Weniger Schmerzen durch PRP bei Arthrose des Kniegelenks

Neben zahlreichen Studien gibt es für die Anwendung von PRP bei Kniegelenksarthrose bereits Metaanalysen. Bei der leicht- und mittelgradigen Kniegelenksarthrose waren Schmerzreduktion und Gelenkfunktion besser als bei Injektion eines Placebos oder von Hyaluronsäure. Dabei erscheint eine 2-malige Anwendung effektiver als die einmalige Injektion.

Effektive Hilfe durch PRP bei Tennisellenbogen

Auch die Anwendung bei der Epicondylitis lateralis (Tennisellenbogen), einer Entzündung der Strecksehnenansätze des Ellenbogens, ist gut untersucht. In zahlreichen hochwertigen Studien war die Injektion von PRP oder ACP der Injektion von Cortison überlegen. Genauso schnitten die Injektion von Lokalanästhetika und Lasertherapie schlechter ab. Einzig ein Vorteil gegenüber der Eigenblutinjektionen war nicht nachzuweisen. Diese ist kostengünstiger und weniger aufwendig in der Anwendung.

Rotatorenmanschettenläsionen

Verletzungen der Rotatorenmanschette sind vor allem bei älteren Patienten häufig. Aufgrund vielversprechender Untersuchungen im Labor sind auch hier schon mehrere Studien an Patienten vorhanden. Man muss zwischen der Injektion von PRP oder ACP als konservativer Therapiemaßnahme und dem perioperativen Einsatz unterscheiden. Bei der Anwendung im Rahmen einer OP fanden die meisten Studien keinen Vorteil und wenige fanden einen geringen Vorteil. Von den verbliebenen konnten alle eine Verbesserung feststellen, teilweise beim Schmerz, teils bei der Rerupturrate.

Zur Anwendung in der konservativen Therapie an der Rotatorenmanschette gibt es nur eine Studie, die eine Verbesserungen bei Symptomatik und Funktion der Schulter feststellen konnte. Weitere Studien konnten diesen Nutzen nicht bestätigen.

Bessere Knochenbruchheilung durch PRP?

Bezüglich der Knochenheilung haben sich die guten Ergebnisse aus Laboruntersuchungen bisher noch nicht in die Anwendung am Patienten übertragen lassen. Die Auswirkungen auf die Knochenheilung und der Einsatz bei Knochenbrüchen und Pseudarthrosen konnten bisher nicht überzeugen.

Zusammenfassung

Auch wenn die Anwendung von PRP im klinischen Alltag zunimmt, gibt es nur für die Arthrose am Kniegelenk, den Tennisellenbogen und die Patellarsehnentendinopathie gute Belege über deren Wirksamkeit. Allerdings sind die Studien sehr heterogen und auch die Herstellungsweisen unterscheiden sich stark. Daher ist hier noch weitere Forschung notwendig.

Quellen

Filardo, G., Di Matteo, B., Kon, E., Merli, G., & Marcacci, M. (2018). Platelet-rich plasma in tendon-related disorders: results and indications. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 26(7), 1984-1999.

Leitner, L., Gruber, G., Lohberger, B., Kaltenegger, H., Leithner, A., & Sadoghi, P. (2019). Klinische Anwendung von Platelet-rich plasma und Wachstumsfaktoren am Bewegungsapparat. Der Orthopäde, 48(1), 105-116.

Roffi, A., Di Matteo, B., Krishnakumar, G. S., Kon, E., & Filardo, G. (2017). Platelet-rich plasma for the treatment of bone defects: from pre-clinical rational to evidence in the clinical practice. A systematic review. International orthopaedics, 41(2), 221-237.

Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 85 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.