Sport in der Natur – Wald statt Fitnessstudio

Outdoorsport in der Natur ist gut für die Gesundheit

Körperliche Aktivität hat viele Vorteile für die Gesundheit. Gleiches gilt, wenn wir Zeit in der Natur verbringen. Warum also nicht beides kombinieren und in der Natur Sport treiben? Wir haben uns die Studienlage angeschaut.

Auf einen Blick

  • Sport schützt vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und Typ 2 Diabetes mellitus sowie 13 Krebsarten
  • Sport in der Natur hat positive Effekte auf die Stimmungslage und die Psyche.
  • Outdoorsport hilft darüber hinaus dabei, aktiv zu bleiben.
  • Es gibt zahlreiche Sportarten, bei denen man die Natur aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erleben kann.

Körperliche Gesundheit

Sport und Bewegung haben im Allgemeinen viele positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Dass sie unsere Fitness und kardiovaskuläre Funktion (Herz-Kreislauf-Funktion) verbessern, leuchtet ein. Aber auch der Blutdruck und die Ruheherzfrequenz sinken. Zudem leiden Menschen, die sich regelmäßig bewegen, seltener an Übergewicht und Adipositas.

Damit einher geht auch ein geringeres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Typ 2 Diabetes mellitus. Darüber hinaus kann das Risiko für 13 Krebsarten gesenkt werden. Dazu gehören Tumore des Ösophagus (Speiseröhre), der Leber, Lunge, Niere, Kardia (Magen), des Colons (Dickdarm), der Kopf- und Halsregion, des Rektums (Enddarm), der Blase, Brust und des Endometriums. Dazu sinkt das Risiko für myeloische Leukämie und andere Myelome. Der Vollständigkeit halber sei aber gesagt, dass regelmäßige Bewegung mit einem etwas höheren Risiko für Melanome und Prostatakrebs einhergeht. Ersteres liegt möglicherweise an der zusätzlichen Sonnenexposition. Das Sonnenlicht ist aber nicht per se schlecht. Ganz im Gegenteil: es sorgt dafür, dass unsere Haut Vitamin D produziert. Zudem spielt das Sonnenlicht eine Rolle bei der Prävention von Multipler Sklerose und Kurzsichtigkeit (Myopie). Insgesamt gehen jedes Jahr 1,9 Millionen Todesfälle weltweit auf das Konto von Bewegungsmangel.

Weitere Studien haben eine bessere Lebensqualität durch Outdoorsport nachgewiesen. Zudem hilft Sport in der Natur vor allem älteren Menschen dabei, die körperliche Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Warum in die Natur und nicht ins Fitnessstudio?

Natürlich kann man sich auch im Fitnessstudio bewegen. In Europa leben 75% der Bevölkerung in Städten. Für diese Menschen ist es leichter, im Fitnessstudio Sport zu treiben, als erstmal aus der Stadt herauszufahren. Da kann es leicht passieren, dass der Kontakt zur Natur verloren geht. Und das Fitnessstudio ist nicht unbedingt die bessere Alternative. Denn nach eine zu Anfang recht hohen Motivation (meist zu Beginn des Jahres) sind die guten Vorsätze, dort regelmäßig Sport zu treiben, schnell wieder vergessen. 40-50% der Kunden beenden ihre Mitgliedschaft im Fitnessstudio innerhalb eines Jahres.

Eine Umfrage hat zudem gezeigt, dass Menschen, die in einer grünen Umgebung leben, mit einer dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit körperlich aktiv sind. Außerdem ist es 40% weniger wahrscheinlich, dass sie übergewichtig oder fettleibig sind. Das kann aber auch andere Gründe als nur den Wohnort haben. So können sich gesündere Menschen mit einem höheren sozioökonomischen Status auch eher Wohnungen in einer solchen Umgebung leisten. Insgesamt scheint die Motivation, sich zu bewegen, größer zu sein, wenn man es im Freien tut.

Sport im Fitnessstudio

Ist Sport Mord?

Sportmuffel bringen häufig das Argument „Sport ist Mord“ hervor und erwähnen das erhöhte Verletzungsrisiko. Vor allem Outdoorsportarten werden häufig mit einem höheren Verletzungsrisiko und mehr Todesfällen in Zusammenhang gebracht. Das konnte allerdings nicht bestätigt werden. Lediglich für einzelne Sportarten gibt es bestimmte Verletzungsarten, die im Vergleich zur inaktiven Normalbevölkerung häufiger auftreten (z.B. spinopelvine Verletzungen bei Paraglidern). Allerdings ist Inaktivität die Ursache für eine kürzere Lebenserwartung und vorzeitiges Versterben. Nicht Sport ist Mord, sondern kein Sport ist Mord! Oder zumindest weniger Lebenszeit…

Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und Wohlbefinden

Die meisten Studien beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Zeit im Freien auf das psychische Wohlbefinden. Hier sind auch die größten Unterschiede im Vergleich zum Sport in Innenräumen festzustellen. So hat die Aktivität in der Natur positive Effekte auf die psychische Gesundheit und psychologische Stabilität im Allgemeinen. Auch das allgemeine Wohlbefinden, die Lebensqualität sowie Glück und Zufriedenheit können gesteigert werden. Allein der Anblick von Natur kann Stress und mentale Erschöpfung reduzieren. Dabei können auch vorhandene Gewässer wie Seen oder das Meer eine wichtige Rolle spielen.

Im direkten Vergleich zu Aktivitäten in Innenräumen führte Sport in der Natur zu einer stärkeren Revitalisation, mehr positivem Engagement und weniger Spannung, Verwirrung, Ärger und Depression. Vor allem bei Stadtbewohnern waren positive Auswirkungen auf die Stimmung, Resilienz, Revitalisation und das konstruktive Engagement festzustellen.

Bewegung in der Natur hilft dabei, Stress abzubauen und Einsamkeit zu bekämpfen. Einzige Kehrseite ist, dass die Ruhe und Gelassenheit etwas abnehmen können. Wer regelmäßig Sport in der Natur treibt, entwickelt dafür eine bessere Kontrolle über seine Stimmungslage und bessere Bewältigungsstrategien (coping). So konnte z.B. bei ADHS eine bessere Selbstregulation nachgewiesen werden.

Bei wettkampforientierten Läufern waren die Unterschiede zwischen Sport in Innenräumen und in der Natur nicht so groß. Zwei von drei Studien fanden keine Unterschiede. In einer Studie gaben die Läufer jedoch an, nach dem Lauf draußen weniger ängstlich, depressiv, wütend und feindselig sowie weniger erschöpft zu sein.

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Natursport in Prävention und Therapie

Nicht zuletzt wegen dieser vielfältigen positiven Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit kommt Sport an der frischen Luft auch bei der Prävention psychischer Erkrankungen und bei der Behandlung von Demenz und Depression zum Einsatz. Auch in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung nach Verletzungen, mit multipler Sklerose, ADHS oder Demenz und bei Veteranen sowie Drogenabhängigen haben Naturinterventionen einen Platz.

Wie lange diese Wirkungen anhalten, ist unklar. Die Studien haben bisher nur Kurzzeiteffekte gemessen. Ein weiteres Manko der Studien ist, dass die Outdoor-Umgebung meist nur schlecht beschrieben wird.

Sport in der Natur fördert Bildung und lebenslanges Lernen

Neben den Auswirkugen auf die Psyche fördert Sport in der Natur auch das lebenslange Lernen. Das wird über verschiedene Effekte vermittelt. So hat Natursport positive Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeit und die Selbstverwirklichung. Zudem fördert er die Motivation und Volition sowie die Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen. All das kann auch zum Bildungserfolg beitragen. Man hat auch festgestellt, dass Outdoorsport-Programme zu besseren Leistungen und zu einer gesteigerten Motivation in Bildungseinrichtungen führten. Zu alledem sind auch positive Effekte auf die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung sowie Problemlösefähigkeiten feststellbar. Ganz nebenbei wir man sich auch des Stellenwerts der Umwelt bewusst und die Verbundenheit mit der Natur wird gestärkt.

In der Natur zur Ruhe finden
In der Natur zur Ruhe finden. Der Anblick von Gewässern hilft dabei.

Sportarten in der Natur

Wenn du noch eine kleine Entscheidungshilfe benötigst, welche Outdoorsportart du in Angriff nehmen kannst, kommen hier ein paar Vorschläge. Schwimmen kann man z.B. nicht nur im Schwimmbad, sondern auch im Freiwasser. Auch andere Wassersportarten wie Rudern, Segeln, Kajak und Kanu fahren, Surfen oder Rafting kommen in Frage. Wer lieber unter der Wasseroberfläche bleibt, kann das beim Tauchen tun und die Kombination von Wasser und Bergen findet sich beim Canyoning. Ansonsten bieten sich in den Bergen auch Klettern, Wanden oder in den Wintermonaten Snowboard und Ski fahren an. Für das Langlaufskifahren reicht auch die Ebene aus. Wer sich lieber in die Lüfte schwingt, kann das Paragliding ausprobieren. Und andere Aktivität wie Reiten oder Rad fahren sind nahezu überall möglich.

Zusammenfassung

Sport und Bewegung schützen vor zahlreichen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Bewegung im Freien oder noch besser in der Natur hilft nicht nur dabei, aktiv zu bleiben, sondern hat zusätzliche positive Effekte auf die Stimmungslage und die Psyche. Des Weiteren fördert es die persönliche und soziale Entwicklung von Individuen und Gruppen. Und das beste an der Bewegung in der Natur ist: es ist (meistens) kostenlos.

Quellen

Thompson Coon, J., Boddy, K., Stein, K., Whear, R., Barton, J., & Depledge, M. H. (2011). Does participating in physical activity in outdoor natural environments have a greater effect on physical and mental wellbeing than physical activity indoors? A systematic review. Environmental science & technology, 45(5), 1761-1772.

Eigenschenk, B., Thomann, A., McClure, M., Davies, L., Gregory, M., Dettweiler, U., & Inglés, E. (2019). Benefits of outdoor sports for society. A systematic literature review and reflections on evidence. International journal of environmental research and public health, 16(6), 937.

Manferdelli, G., La Torre, A., & Codella, R. (2019). Outdoor physical activity bears multiple benefits to health and society. The Journal of sports medicine and physical fitness, 59(5), 868-879.

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Jonathan Häußer
Über Jonathan Häußer 104 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.