Stoßwellentherapie beim Knochenmarködem

Stoßwellentherapie beim Knochenmarködem

Ein Knochenmarködem oder ein Bone Bruise kann verschiedene Ursachen haben. So gibt es auch verschiedene Therapieoptionen. Eine davon ist die Stoßwellentherapie. Aber wie ist deren Wirksamkeit bei Knochenmarködemen? Kann man ihren Einsatz guten Gewissens empfehlen? Hier schauen wir uns die Studienlage basierend auf einer aktuellen Metanalyse zu diesem Thema an.

Auf einen Blick

  • Knochenmarködeme haben verschiedene Ursachen und werden mit Schmerzmitteln, Entlastung und Physiotherapie behandelt. Zusätzlich können Medikamente wie z.B. Bisphosphonate zum Einsatz kommen.
  • Die Stoßwellentherapie ist eine weitere Therapieoption. Sie soll die Selbstheilung fördern, indem sie Osteoblasten und Periostzellen stimuliert und die Gefäßneubildung fördert.
  • Studien konnten eine gute Wirksamkeit bei Kniearthrose, Osteonekrose des Femurkopfes und verschiedenen weiteren Erkrankungen mit Knochenmarködem zeigen.
  • Randomisierte, kontrollierte Studien kamen dabei zu ähnlichen Ergebnissen wie Fallserien.
  • Insgesamt zeigen die Daten eine gute Wirksamkeit der Stoßwellentherapie auf die Schmerzen und Gelenkfunktion bei Knochenmarködemen. Es braucht aber noch weitere hochwertige Studien zu diesem Thema.

Knochenmarködeme behandeln

Wie Knochenmarködeme entstehen, ist nicht abschließend geklärt. Sie stellen eine Flüssigkeitsansammlung im Knochenmark dar und sind wahrscheinlich eine Reaktion der Durchblutung auf externe oder interne Veränderungen. Man unterscheidet primäre von sekundären Knochenmarködemen. Primäre Knochenmarködeme treten an Hüfte, Knie und Sprunggelenk auf und haben definitionsgemäß keine andere erklärbare Ursache. Sekundäre Knochenmarködem sieht man häufig nach Unfällen. Sie können aber auch bei Osteonekrosen des Femurkopfes und bei einer Arthrose des Kniegelenks auftreten. Es kann dabei 3-18 Monate dauern, bis sich die Beschwerden und das Ödem im MRT zurückgebildet haben.

Wie schon in unserem Artikel zur Therapie des Knochenmarködems beschrieben, werden Knochenmarködem und Bone Bruise zunächst symptomatisch behandelt. Neben einer Teilbelastung oder Entlastung der betroffenen Körperteile kommen Schmerzmittel oder Physiotherapie zum Einsatz. Allerdings können z.B. NSAR wie Ibuprofen auch die Knochenheilung beeinträchtigen (Wheatley et al., 2019). Weitere Möglichkeiten sind die medikamentöse Therapie mit Cortison, Bisphosphonaten oder Prostazyklin-Analoga. Allerdings handelt es sich bei den letzten beiden um ein Off-Label-Use, da sie nicht für diese Indikation zugelassen sind. Als letzte Option kommen auch operative Verfahren wie das Anbohren des Knochens oder Endoprothesen in Frage. Allerdings wird diskutiert, ob Operationen nicht zu invasiv sind, da Knochenmarködeme eine gute Prognose haben.

Stoßwellentherapie beim Knochenmarködem

Eine aussichtsreiche Therapieform, zu der bereits einige Studien publiziert wurden, ist die Stoßwellentherapie. Auch sie kommt beim Knochenmarködem zum Einsatz. Eine Metaanalyse (Häußer et al., 2021) analysierte die Wirksamkeit bei verschiedenen Erkrankungen, die mit einem Knochenmarködem einhergehen. Die Stoßwellentherapie soll die Selbstheilung des Gewebes fördern, indem sie Osteoblasten und Periostzellen stimuliert, zu eine verstärkten Gefäßneubildung führt und die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren wie VEGF fördert. Bisher gab es keine Studien, die eine generelle Wirksamkeit der Stoßwellentherapie bei Knochenmarködemen untersuchten. Für einige Erkrankungen, die mit Knochenmarködemen einhergehen, sind aber schon Studien publiziert worden.

Stoßwellentherapie hilft bei Kniearthrose

Zur Stoßwellentherapie bei Knochenmarködemen, die bei einer Kniearthrose auftraten, gab es eine randomisierte, kontrollierte Studie. Diese fand eine schnelle und deutliche Besserung sowohl der Schmerzen als auch der mit dem WOMAC gemessenen Kniefunktion nach Stoßwellentherapie. Genauso waren auch die Ödeme im MRT schneller rückläufig. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch drei Fallserien. Auch sie stellten fest, dass die Stoßwellentherapie bei der Verbesserung von Schmerzen und Funktion überlegen war. Die Stoßwellentherapie wurde in diesen Studien mit 2000-4000 Impulsen in wöchentlichen Abständen durchgeführt. Dabei kam eine Frequenz von 2-4 Hz bei einer Energieflussdichte von 0.22 ‒ 0.55 mJ/mm² zum Einsatz.

Hüftkopfnekrose mit Stoßwellentherapie behandeln

Bei der Hüftkopfnekrose gab es zwar keine randomisierten, kontrollierten Studien, es sind aber einige Fallserien vorhanden. Zwei pseudorandomisierte Studien lassen aber darauf schließen, dass bei einer Stoßwellentherapie die begleitende Behandlung mit Bisphosphonaten keine Vorteile hat. In einer weiteren Fallserie zeigte sich, dass sich Schmerzen und Funktion des Hüftgelenks schnell verbesserten. Das war bei Patienten in frühen Stadien (ARCO I) ausgeprägter als in späteren Stadien (ARCO III). Von letzteren entschieden sich zwei Drittel für die Implantation einer Totalendoprothese. Patienten einer anderen Studie, die auf der einen Seite eine Hüftprothese erhielten und auf der anderen Seite mit Stoßwellentherapie behandelt wurden, waren insgesamt mit der Stoßwellentherapie zufriedener. Allerdings kam diese auch nur an den Hüften zum Einsatz, wo die Osteonekrose noch nicht so fortgeschritten war. Weitere Fallserien fanden ebenfalls deutliche Verbesserungen bei Schmerz, Funktion und bei der Ausdehnung des Knochenmarködems.

Primäres Knochenmarködem der Hüfte

Zwei retrospektive Studien kamen auch hier zu guten Ergebnissen. Eine Fallserie fand schnelle Verbesserungen bei den Schmerzen und der Hüftfunktion. Die Fläche des Knochenmarködems im MRT halbierte sich in etwa nach 2 Monaten. Die andere Studie verglich Stoßwellentherapie mit einer operativen Dekompression des Hüftkopfes nach 3-monatiger konservativer Therapie. Beide Gruppen waren dabei nach 12 Wochen wieder genesen und das MRT nach sechs Monaten zeigte keine pathologischen Befunde mehr. Allerdings besserten sich die Schmerzen in der Stoßwellengruppe schneller und diese Patienten konnten auch früher ihre Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen.

Stoßwellentherapie bei der Schambeinentzündung

Auch die Schambeinentzündung geht mit einem Knochenmarködem im MRT einher. Zur Stoßwellentherapie gibt es bisher nur eine einzige, dafür aber hochwertige Studie. Hier wurden 44 Sportler in 2 Gruppen randomisiert – eine erhielt Stoßwellentherapie, eine nur eine Schein-Stoßwellentherapie. Neben der Tatsache, dass die Schmerzen und Funktion sich in der Stoßwellengruppe schneller besserten, konnten die Fußballer mit der Stoßwellentherapie auch im Durchschnitt etwa 30 Tage früher wieder ihren Sport ausüben (73,2 vs. 102,6 Tage).

Morbus Kienböck und Plantarfasziitis

Neben den bisher genannten Erkrankungen kann man auch beim Morbus Kienböck und der Plantarfasziitis Knochenmarködeme beobachten. Diese können ebenso mit Stoßwellentherapie behandelt werden. Hier gibt es jedoch nur einzelne Fallserien, welche aber zumindest eine Verbesserung der Beschwerden und rückläufige Knochenmarködeme beschreiben.

Zusammenfassung

Insgesamt zeigten sich über alle Studiengruppen hinweg rasche und deutliche Verbesserungen der Schmerzen und der Gelenkfunktion. Das war unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung und legt nahe, dass die Stoßwellentherapie bei allen Arten von Knochenmarködemen wirksam ist. Die Metaanalyse der Studien kam zu dem Ergebnis, dass im kurz-, mittel- und langfristigen Follow-Up die Gelenkfunktion durch Stoßwellentherapie verbessert werden kann. Bei den Schmerzen zeigten sich hier kurz- und mittelfristig signifikante Effekte. Zwar waren die meisten Studien von geringerer Qualität aber die Ergebnisse unterschieden sich nicht wesentlich zwischen den randomisierten, kontrollierten Studien und den Fallserien. Insgesamt sind aber weitere hochwertige Studien notwendig, um diese vorläufigen Erkenntnisse zu festigen.

Quellen

Häußer, J., Wieber, J., & Catalá-Lehnen, P. (2021). The use of extracorporeal shock wave therapy for the treatment of bone marrow oedema—a systematic review and meta-analysis. Journal of orthopaedic surgery and research, 16(1), 1-9.

Wheatley, B. M., Nappo, K. E., Christensen, D. L., Holman, A. M., Brooks, D. I., & Potter, B. K. (2019). Effect of NSAIDs on bone healing rates: a meta-analysis. JAAOS-Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons, 27(7), e330-e336.

Über Jonathan Häußer 106 Artikel
Jonathan Häußer ist Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Sportwissenschaftler (B.A. Bewegungswissenschaft) mit einem besonderen Interesse für die Sport- und Notfallmedizin.